Fatima stammt aus Marokko und lebt seit fünf Jahren in Deutschland. In Agadir hat sie Islamwissenschaften studiert, hier in Viersen schloss sie erfolgreich einen Integrationskurs ab und will nun im Sprachcafé ihre Deutschkenntnisse vertiefen.
Anders liegt der Fall bei Sumitra. Sie kommt aus Sri Lanka, lebt schon seit zehn Jahren in Deutschland, hat aber noch keinen Sprachkurs absolviert. Noch etwas verhalten liest sie aus einem Kinderbuch vor, während ihre Nachbarin Hanife ihr bei der Aussprache hilft. Nach 15 Jahren in Deutschland spricht sie zwar die deutsche Sprache recht gut, will sich aber trotzdem noch mehr verständigen und im Alltag besser unterhalten können. Genauso wie die beiden anderen Frauen besucht sie jeden Mittwoch das Sprachcafé in der Kindertagesstätte am Konrad-Adenauer-Ring.
Die insgesamt acht Besucherinnen lachen, erzählen, trinken Kaffee oder Tee, unterhalten sich über Alltägliches, lesen aus einem Kinderbuch vor oder singen Kinderlieder. Brigitte Dubrau, Dozentin der Deutschen-Angestellten-Akademie Viersen (DAA), hat in Kooperation mit der Stadt Viersen das Sprachcafé für Migranten eingerichtet. Sie hört aufmerksam zu, verbessert und erklärt Wörter, die die Frauen nicht kennen bzw. verstehen. „Sie haben zwar alle einen Integrationskurs besucht, aber es ist wichtig, die deutsche Sprache auch weiterhin im Alltag anzuwenden" , sagt Brigitte Dubrau. „
Wir wollen die Gefahr ausräumen, dass nach einem Integrations-Sprachkurs die deutsche Sprache nicht mehr weiter gesprochen wird" , bekräftigt auch Fatma Akasu, Integrationsfachkraft der Stadt Viersen.
Meist sind es Frauen, die man im Sprachcae antrifft. Der Besuch ist freiwillig und kostenlos. „Im Sprachcafé geht es darum, die im Integrationskurs erworbenen Kenntnisse auf einer praktischen Ebene anzuwenden. Besprochen werden Alltagsthemen, die die Migranten/-innen persönlich betreffen, wie etwa Einkaufen gehen, ein Arztbesuch oder Gespräche unter Nachbarn", so Fatma Akasu.Die verschiedenen Nationalitäten sind dabei kein Hindernis, mittlerweile sind sogar echte Freundschaften untereinander entstanden. In der ungezwungenen Athmosphäre des Sprachcaféswerden Ideen, Erlebnisse, aber auch Alltagssorgen ausgetauscht.
Die Sprache sei wichtig bei Behördengängen, in der Schule oder im Kindergarten, sagt auch Natascha, die erst seit vier Monaten in Deutschland ist. „Die Frauen können mit ihren Kindern gemeinsam Lieder aus dem Kindergarten singen, ihren Kindern besser in der Schule helfen und auf ihr Kind eingehen", weiß Brigitte Dubrau.
Djaliatou hat vor allem ein Problem mit der Aussprache. Sie stammt aus Togo und hat in ihrer alten Heimat französisch gesprochen. Bei ihr hört man immer einen leichten französischen Akzent. Leyla aus der Türkei ist die Grammatikexpertin in der Runde. Oft hilft sie den anderen Frauen, wenn sie Probleme mit dem Satzaufbau haben.
Eines haben alle acht Frauen gemeinsam: Sie kommen gerne ins Sprachcafé und Brigitte Dubrau ist zwischenzeitlich mehr als „nur" ihre Lehrerin. „Sie ist Freundin" , sagt Natascha. Und Brigitte Dubrau verbessert sie oft, „sie ist eine Freundin", fügt sie hinzu. Das Sprachcafé ist jeden Mittwoch von 14 bis 16 Uhr ( außer in den Ferien und an gesetzlichen Feiertagen) geöffnet.

